Pressestimmen

Nummer 138 Samstag, 19. Juni 2010

Starthilfe für die Tastenstars von morgen

„Junges Klavierpodium Werner Haas“ im Weißen Saal

VON SUSANNE BENDA

Jeder Klavierton ein individuell geschlif­fener Diamant, jeder Anschlag der Tasten eine eigene Klangwelt: Ilja Rapoport, Jahrgang 1989, spielt einen bis ins Detail durchgestalteten Chopin (cis-Moll-Noc­turne op. 27/1, vierte Ballade f-Moll). Unter den Händen des 17-jährigen Jonas Emanuel Haffner erklingt ein atmosphä­risch dichter, klarer, sehr spannungs- und ausdrucksvoll wirkender Ravel („Ondine“ und „Scarbo“ aus „Gaspard de la nuit“). Die erst 15-jährige Annique Göttler spielt Liszt (Ungarische Rhapsodie Nr. 12) mit großer, aber nach innen gewendeter Vir­tuosität. Julia Sailer, geboren 1992, be­weist zumal bei drei Sätzen aus Bachs vierter (D-Dur-)Partita einen sehr eigen­ständigen Gestaltungswillen, und der gleichaltrige Vincent Herrmann spielt zwei von Claude Debussys „Images“ (aus Heft 1) mit einer Klarheit, die den Stücken guttut.

Fünf hochbegabte Stuttgarter Nach­wuchspianisten, allesamt Sprösslinge der Stuttgarter Musikschule, boten am Don­nerstag im voll besetzten Weißen Saal des Neuen Schlosses Interpretationen auf hohem und höchstem Niveau. Mit ihnen ging eine neue Konzertreihe an den Start, die der Öffentlichkeit die im fruchtbaren musikalischen Humus der Landeshaupt­stadt groß gewordene pianistische Crème de la Crème der Zukunft vorstellen und jungen Künstlern ein Podium bieten will. Da diese vor allem an der Stuttgarter Mu­sikschule ausgebildet werden, sorgt die Stiftung Stuttgarter Musikschule für die finanzielle Ausstattung. Und Namensträ­ger des Podiums ist der vielleicht größte Tastenkünstler, den die Stadt je hervor­brachte: Werner Haas (1931 bis 1976).

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© Junges Klavierpodium Werner Haas